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Das Gartenhaus

Es ist Sonntagvormittag und ich habe es mir auf meiner kleinen Terrasse gemütlich gemacht, als mein Telefon mich aus meinen Tagträumen riss.
Ich hob den Hörer ab und die Stimme meiner Mutter erklang wie immer gut gelaunt. sie bat mich doch zum Mittagessen vorbei zu kommen, denn sie hätten einiges mit mir zu bereden.

Ich war gespannt, dann schlüpfte ich in mein leichtes Sommerkleid, setzte mich ins Auto und fuhr los. es waren knapp 15 Minuten Autofahrt bis zu der kleinen Siedlung, in der meine Eltern seit vielen Jahren lebten.
Nach meiner gescheiterten Ehe lebte ich eher zurückgezogen, denn der Schmerz der Trennung und der Scheidungskrieg setzten mir ganz schön zu.
Ich war 17 Jahre mit meinem noch Ehemann verheiratet, bis er sich in seine junge Kollegin verliebte. Es traf mich wie ein Schlag, denn wir führten bis dato eine recht harmonische Ehe, die leider kinderlos blieb.

Nun wird mein noch Ehemann bald zum ersten mal Vater von seiner neuen Freundin.
Auf dem Weg zu meinen Eltern hörte ich im Auto meinen Radiosender mit dem Wetterbericht für die nächste Woche, es sollte Bilderbuch Wetter werden.
Da sah ich auch schon das Haus meiner Eltern, ich parkte meinen Wagen und ging durch das Gartentor.
Meine Eltern saßen auf ihrer Terrasse und deckten gerade gemeinsam den Mittagstisch. Die Begrüßung fiel wie immer sehr herzlich aus.
Wir drei nahmen Platz, aßen das köstliche Essen meiner Mutter die ihr Wissen, was gutes Essen betraf, mir mit in die Wiege gelegt hatte. Ich arbeitete im Schichtdienst in einem Restaurant als Oberkellnerin in einem gut bürgerlichen Restaurant.

Mein Vater begann mit dem Satz: liebe Gitty, wir haben dir was mitzuteilen. Mama und ich wollen dir gerne unser Gartenhaus mit dem wunderbaren Grundstück überlassen.
Wir haben uns dazu entschieden mehrmals im Jahr unseren Ruhestand auf Mallorca zu verbringen.
Wir wissen wie sehr du an dem Gartenhaus hängst und möchten es dir sehr gerne schenken. Ich war wie vom Donner gerührt und Tränen schossen mir in die Augen.
Ich habe sie sehr oft am Wochenende besucht, denn dort konnte ich immer wieder neue Kraft für eine stressige Arbeitswoche tanken.

Ich konnte die Entscheidung meiner Eltern gut verstehen, denn beide haben ihr Leben lang hart gearbeitet. Meine Eltern waren jahrelang Selbstständig und hatten einen kleinen aber gut gehenden Buchladen, den sie vor kurzer Zeit verkauft hatten.
Ihr kleines Häuschen wollten sie behalten und hatten auch schon einen Gärtner der sich während ihres Aufenthaltes in Mallorca um den Garten kümmerte.
Die Post würden sie sich nachschicken lassen und auch für alles andere wäre gesorgt. Morgen wäre mein erster Urlaubstag und ich war reif für Erholung.

Der Gedanke, einige Tage im Gartenhaus zu verbringen gefiel mir. Mein Vater überreichte mir den Schlüssel und wir verabschiedeten uns sehr herzlich. Morgen ging ihr Flug nach Mallorca und sie mussten noch die restlichen Sachen packen.

Wieder Zuhause angekommen, packte ich einige Sachen in meinen Koffer, Lebensmittel konnte ich vor Ort kaufen.
Das Gartenhaus war komplett eingerichtet und für mich eine kleine Oase der Ruhe. Das einzige was mir dort fehlte, war ein kleiner Teich mit Wasserpflanzen und ein eigener Kräutergarten denn ich kochte leidenschaftlich gerne.
Am Montagmorgen brachte ich meine Eltern zum Flughafen, der Abschied war Tränenreich und ich machte mich auf den Weg zur Gartenanlage.

Die Fahrt dauerte ungefähr eine Stunde.
Der Garten lag abgelegen am Stadtrand vor einem kleinen Waldgebiet. Es war ein wundervoller Tag und ich brachte meine Sachen zum Gartenhaus. Ich besorgte mir einige Lebensmittel und machte mir als erstes Bratkartoffeln mit Speck und Zwiebel, dazu trank ich ein alkoholfreies Bier.
Ich fühlte mich richtig wohl in meiner Haut, war gut gesättigt und wollte mich auf meine Liege legen, als ich ein lautes hämmern vom Nachbargrundstück hörte.

Es war wieder dieser freundliche Herr mit den grauen Schläfen, der diesen Lärm verursachte. Er baute wohl einen Pavillon neben seinem Gartenhaus, er wohnte mehr oder weniger ständig hier.
Ich wusste nur dass er sehr zurückgezogen lebte, seit seine Frau ihn vor einigen Jahren verlassen hatte. Sie entschied sich für ein Leben als freie Künstlerin in Frankreich und hat sich dort in einen viel jüngeren Mann verliebt.
Fast so wie bei mir, nur eben umgekehrt.

Ich ging zu seinem Grundstück und lud ihn zum Kaffee ein, er war ganz überrascht mich hier zu sehen.
Meine Einladung nahm er Dankend an, denn er hatte bis jetzt noch nichts warmes gegessen. Ich ging in meine Küche und machte schnell wieder meine berühmten Bratkartoffeln und als ich ihm den Teller mit den duftenden Kartoffeln auf den Tisch stellte, errötete er und bedankte sich schüchtern.
Wir tranken dann zusammen noch Kaffee, redeten und lachten, wir vergaßen völlig die Zeit, denn als er sich verabschiedete war es draußen schon stockdunkel.

Als ich am Morgen aufstand, war ein kompletter Frühstückstisch gedeckt, Martin, so hieß der graumelierte Herr, hatte alles besorgt was zu einem wunderbaren Fruchtstück gehört.
Sogar an Blumen hatte er gedacht, ich war gerührt, denn sowas hat ein Mann noch nie für mich gemacht.
Aber Martin war nirgendwo zu entdecken, er hämmerte wieder an seinem Pavillon. Ich lief hinüber, nahm ihm den Hammer aus der Hand und bat ihn mit mir zu essen, denn in Gesellschaft schmeckt es nochmal so gut.
Martin wurde wieder rot bis über beide Ohren, sah mich mit diesem dackelblick an und begleitete mich. Wir aßen, tranken Kaffee und endeckten viele Gemeinsamkeiten, vor allem unsere Liebe zur Musik und gutem Essen.
Martin war sehr charmant aber unheimlich schüchtern, immer wenn er mich ansah errötete er. Eines Abend sprach ihn darauf an, er meinte nur: diese Augen, unglaublich diese Augen.

Eines Abends saß ich vor meinem Haus und hing meinen Gedanken nach, dann hörte ich Martin der meinen Namen rief. Er meinte, er habe eine Überraschung für mich, ich solle mir für morgen nichts vornehmen, gegen 19 Uhr hole er mich ab. Ich war gespannt und aufgeregt.
Pünktlich stand Martin am Gartentor, hielt mir seinen Arm hin, ich hakte mich ein und wir beide gingen zu seinem Wagen. Als wir, losfuhren zückte er 2 Konzertkarten für JOE COCKER.
Oh meinn Gott… ich liebte Joe Cocker und Martin ging los und besorgte spontan Karten. Ich war völlig aus dem Häuschen und drückte Martin einen dicken Schmatzer auf die Wange und umarmte ihn. Er errötete wie immer und lächelte wie ein kleiner Junge.

Das Konzert war ein Highlight, ein Genuss, vom ersten bis zum letzte Song. Wir beide schwebten bei jedem Song und hatten Gänsehaut.
Nach dem Konzert gingen wir noch eine Kleinigkeit essen und schwärmten noch immer von dem Konzert. Wir fuhren dann wieder in die Anlage und Martin nahm allen Mut zusammen, küsste mich, ich schmiegte mich an ihm und meinte, die Zeit müsse jetzt sofort stehen bleiben. Er sah mich an und stimmte mir zu.

Es war Romantik pur, es war ein wundervoller Moment. Immer wieder küssten wir uns, sahen uns an und fühlten beide das es gut und richtig war, das nun für uns beide eine glückliche Zeit anfing, eine Zeit voller Liebe, Ehrlichkeit und Vertrauen.
Ich fühlte mich nie zuvor so geborgen und wohl bei einem Mann, er nahm mich so an wie ich war, liebte mein lautes Lachen, mein Essen, meine Augen und meinen Sinn für Humor. Wir beide haben Spaß ohne ende und langweilige ist für uns ein Fremdwort.
Es ist tiefe und ehrliche LIEBE und Respekt für einander.